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Verpaarung und Vergesellschaftung von Graupapageien

Papageien sind sehr gesellige Tiere, das Alleinsein verkraften sie selten gut. In ihrem Herkunftsgebiet sichtet man sie meistens in grossen Schwärmen. Das Leben im Schwarm bietet den einzelnen Vögel Schutz und Sicherheit.

 

Bedingungen wie in der freien Natur können wir in Menschen Obhut nicht bieten. Aber es sollte klar sein, dass Papageien nicht alleine gehalten werden sollen! Natürlich kann der Mensch ein Freund und dem Tier wichtig sein, aber einen artgleichen Partner können wir nicht ersetzten.

 

 

Ich erzähle nun aus meiner eigenen Erfahrung und Kenntnis wie ich meine einzeln Grauen verpaarte und zu einer Gruppe vergesellschaftete!

 

Reiko und Aura haben zwei Monate Altersunterschied. Sie sind ein blutfremdes Paar welches mit, Reiko 8 Monate und Aura 6 Monate, zusammen kamen. Bis zum Zusammenzug in die Gemeinschaftsvoliere sind sie in einer 1,5x1x2m grossen Voliere mit täglichem Freiflug aufgewachsen. Das verpaaren war in diesem Alter sehr einfach und klappte auf Anhieb.

 

In einer weiteren Voliere, ebenfalls in dieser Grösse, hielten wir ein weiteres Paar. Dieses war bereits im Zuchtreifen alter und hatte bereits bei einem vorgängigen Züchter mehrere Jungen erfolgreich gross gezogen. Das "Zuchtpaar" hat weiterhin bei uns erfolgreich Junge gezeugt. Wir entschieden uns die Jungen ab einem gewissen Alter weiter von Hand aufzuziehen. Natürlich konnten wir nicht wiederstehen und behielten den aller erste Jungvogel bei uns. Somit haben wir eine weitere Voliere aufgebaut und dem Jungvogel Namens Sambu, ein zuhause gegeben. Da das erste Paar noch nicht geschlechtsreif war, mussten wir anderweitig einen Partner für Sambu suchen. Wir wurden schnell fündig und konnten bei Sambu ein Weibchen, mit dem Namen Mira und nur 8 Monate jünger als Sambu, einziehen lassen. Bis anhin war es immer einfach so junge Vögel miteinander zu verpaaren. Es gab keine erwähnenswerte Belangen oder Schwierigkeiten. Das übliche „beschnuppern“ lief ohne Komplikationen ab. Was uns sehr freute.

 

Eines Tages bat uns eine Kundin von uns, nach ihrem Lebensende, ihre beiden Papageien zu übernehmen. Was innerhalb kurzer Zeit nach Kontaktaufnahme dann auch geschah. Somit zogen Pedro und Nicki bei uns ein. Sie hatten bereits einige Jahre bei dieser Person gelebt und sind in einem geschlechtsreifen alter zu uns gekommen. Es stellte sich aber nach der Untersuchung beim Tierarzt heraus, dass es zwei männliche Papageien sind. Die beiden haben einige Monate Altersunterschied, sind aber von Jung auf zusammen aufgewachsen. Die beiden verstehen sich super und haben auch nicht (wie von uns erwartet) Machtkämpfe oder Geschlechterkämpfe untereinander. So sahen wir auch kein Grund die beiden zu trennen.

 

Leider geschah dann ein harter Schlag, unerwartet und plötzlich ging es Mira schlecht. Innerhalb von 2 Tagen verstarb die nur 2 Jahre alte Papageiendame. Tumor am Rückgrat war die Diagnose. Somit war Sambu wieder alleine. Wir konnten beobachten, wie er täglich nach Mira suchte und auch immer wieder ihren Namen rief. Eine Zeit, die Sambu sehr zu schaffen machte. Er fing an sein Gefieder zu zerzausen. Wir versuchten vergeblich eine geeignete Dame für ihn zu finden. Das sollte sich ändern.

Unterwartet bekamen wir einen Anruf eines älteren Ehepaares, welches eine Graupapageiendame besass. Aufgrund des Alters konnten sie aber nicht mehr sorgen für sie und wollten die rüstige graue Dame an einen guten Ort abgeben. Wir erklärten uns, die über 30jährige Graupapageiendame Joggeli bei uns

aufzunehmen.

 

Nur fragten wir uns, wie wir sie bei uns integrieren sollen. Der Vogel war sein Leben lang alleine unter Menschen Obhut und kannte keine Artgenossen. Sie war ängstlich gegenüber den Artgenossen und sehr Menschenbezogen. Durch die Alleinhaltung kam erschwert dazu, dass sie sich rupfte. Wir entschlossen uns eine separate Voliere neben der von Sambu aufzustellen. Ziel war es, die beiden irgendwann zu verpaaren. Es war ein langer und strenger weg, sowohl für die rüstige Papageiendame als auch für uns.

Es brauchte Geduld und stetige Zuwendung. Sambu war sehr schnell bereit eine weitere Partnerin an seiner Seite zu wissen. Das merkte man an seinem Verhalten, er suchte immer wieder die Nähe und machte mit diversen Balzbenehmen“ auf sich aufmerksam. Joggeli erholte sich sehr schnell bei uns.

Ihr Gefieder wuchs wieder, obwohl sie bis heute sich immer wieder die Schwanzfedern rupft, sieht sie heute bedeutend besser aus. Nach unzähligen zusammen tun der beiden, ausserhalb der Voliere und unter Aufsicht, wagten wir den Schritt für die Zusammenführung, natürlich unter Aufsicht und anfangs auch nur Tagsüber. Erstaunlicherweise klappte dies auf Anhieb. Joggeli war zwar noch etwas schüchtern wenn sich Sambu ihr näherte, aber es gab keine Kämpfe und kein Verkriechen in die Ecke. Das Fressen aus dem gemeinsamen Geschirr klappte ebenfalls. Obwohl Joggeli nach wie vor sehr auf die Menschen fixiert ist, konnte sie gut mit Sambu zusammen leben.

 

Leider musste ich persönlich dann einen weiteren schweren Abschnitt verkraften. Mein Mann verstarb im Jahr 2010. Wir hatten zusammen dieses Hobby aufgebaut und bewerkstelligt. Die Zucht erforderte

sehr viel Zeit und Aufwand um alles artgerecht zu betreiben. Im Allgemeinen nahmen die Papageien viel Zeit von uns in Anspruch. Ich musste feststellen dass die Weiterführung von diesem Hobby alleine nicht zu bewältigen ist. Nicht in dieser Art wie wir es aufgebaut hatten. Mich trennen von den Tieren wollte und konnte ich aber auch nicht. Daher entschloss ich mich für eine Gemeinschaftsvoliere. Mir war bewusst dass dieses Projekt nicht ganz einfach werden wird, aber das Ziel war meine Grauen behalten zu können und den Arbeitsaufwand so gering wie möglich halten zu können. Daher war für mich diese Lösung die logischste. Der Anbau in der Garage war perfekt dazu geeignet. Ich baute eine 3x3x2m grosse Innenvoliere mit einem Durchgang zur Aussenvoliere welche die Grösse 2x2x2m aufweist. Nun begann die Planung für die Zusammenkunft aller Graupapageien. Vorgehen, Ausführung, Notfallplan… ich

machte mir zu allem akribisch genau Gedanken. Ich unterhielt mich auch mit den unterschiedlichsten Leuten, wie Graupapageien-Besitzer, Tierarzt und Züchter über dieses Projekt. Was mich teilweise dann doch wieder verunsicherte, da ich die unterschiedlichsten Meinungen zugetragen bekam. Dennoch liess ich mich nicht davon abbringen, war es für mich doch noch die einzige Möglichkeit, meine Lieblinge zu behalten. Ich entschied mich für eine Lösung die mag nun im ersten Moment sehr brachial klingen. Alle Papageien sollen am gleichen Tag in die Gemeinschaftsvoliere einziehen. Ich wollte den Überraschungseffekt und Unbekanntheitsgrad der Umgebung für die Tiere, für mich ausnutzten.

Liebhaber werden hier und jetzt wahrscheinlich aufschreien. Aber ich kann versichern, ich liebe meine Tiere auch. Den Stress für die Grauen bei jedem Zuzug eines Paares die Voliere wieder neu einzurichten und gestalten damit es keine Platzverteidigungen und Revierkämpfe gibt, erschien mir sinnlos. Zur Sicherheit und ständigen Überwachung montierte ich Kameras, um die Tiere auch in nicht Anwesenheit beobachten zu können.

 

Also kam der grosse Tag, an dem alle in die „WG“ einzogen. Früh am Morgen, einer nach dem anderen innerhalb einer halben Stunde zogen sie ein, im neuen Heim. In erster Linie waren alle total überrascht und bewegten sich kaum von der Stelle. Nach ein-zwei Stunden erkundeten die Ersten die grosse Voliere. Jeder suchte sich ein „Lieblingsplatz“ und verharrte dann wieder an dieser Stelle. Keiner getraute

sich grossartig was zu unternehmen, geschweige in die Nähe eines anderen zu gehen. Ich hatte schon Angst, die Probleme würden dann in der Nacht auftreten. Es bewahrheitete sich aber zum Glück nicht. Am nächsten Morgen sassen alle noch an der gleichen Stelle wie am Vorabend. Bekanntlich ist der Graupapagei ja eher skeptisch gegenüber Neuem. Dies änderte sich dann aber schlagartig im Verlaufe

des Tages. Es wurde alles genau unter die Lupe genommen und sie versuchten einander kennenzulernen. Annäherungen wurden unternommen und auch kleine Streitigkeiten gab es untereinander.

 

Bis auf das „Zuchtpaar“ wurden alle Grauen von Hand aufgezogen. Die einten hatten eine längere Zeit in der Handaufzucht verbracht, andere wurden nur kurz von Hand aufgezogen. Ich dachte mir nichts

dabei, jedoch musste ich feststellen, dass das Zuchtpaar sich nichts gefallen lies. Die beiden stritten mit jedem sich nähernden Vogel. Die Kämpfe wurden dann immer extremer, so beschloss ich das Zuchtpaar aus der „WG“ zu holen und wieder separat in einer Voliere aber im gleichen Raum zu halten. Was sie ja bis anhin auch nicht anders kannten. Alle anderen verstanden sich soweit ganz gut

untereinander. Überraschenderweise blieben alle Paare so zusammen, wie sie vorher gelebt hatten. Jedes Paar hatte sich sein Platz in der grossen Voliere erobert und bald entdeckten sie auch die Aussenvoliere.

Ich habe mich dann zum Entschluss gerungen, das Zuchtpaar an einen weiteren Halter, welcher die Zucht als Hobby entdeckte, abzugeben.

 

Und so besitze ich mittlerweile nur noch die Gemeinschaftsvoliere, mit zurzeit noch fünf Graupapageien. Leider verstarb im letzten Jahr Sambu, mein erstaufgezogener Jungvogel. Auch er hatte einen Tumor welcher nicht operabel war. Die Anzeichen dass es ihm schlecht ging waren eines Abends

aufgetreten, am nächsten Tag ging ich sofort zum TA, doch leider verstarb er auf dem Untersuchungstisch. Da sich in der „WG“ alle weiter gut verstehen und sich miteinander beschäftigen, entschied ich mich keinen weiteren Vogel einzugliedern. Es war ein langer und teilweise sehr anstrengender Weg bis dahin. Es sind nun aber alle Vögel nicht mehr so intensiv auf den Menschen bezogen sondern mehr auf ihre Artgenossen. Klar hängen die Grauen noch an mir, jedoch geniessen sie die Anwesenheit untereinander. Das beweist mir, das die Verpaarung und Vergesellschaftung beziehungsweise Integration nicht unmöglich ist, egal in welchem Alter die Vögel sind. Oftmals

begründet der Mensch eine Einzelhaltung mit der Angst vor Zurückweisung ihres gefiederten Freundes. Aus jahrelanger Paar beziehungsweise nun auch Gruppenhaltung kann ich das nur dementieren. Nach wie vor kommen meine Grauen auf mich zu, wollen Spielen, Zuneigung und allerlei Unfug mit mir machen. Ich denke, wenn der Graupapagei einmal das Vertrauen zu einem hat, wird er das nicht mehr verlieren nur weil nun ein Artgenosse sein Leben teilt.

 

Hast du ähnliches Erlebt, oder stehst vor der Aufgabe dein Liebling zu verpaaren? Schreibe deine Erfahrung im Kommentarfeld dazu, es ist immer spannend auch andere Meinungen zu lesen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Quang Anh Tran aus Hanoi. Vietnam (Mittwoch, 15 August 2018 15:49)

    Schoen es zulesen. Hab selber auch viele Papageien und hab von Ihnen was gelernt. Danke sehr.

    Unvergesslichereisemittran@gmail.com